Hexenliesel

Zur Fasnet in Ravensburg sind die Hexen los

In der Zeit um 1350 lebte am Untertor in einer einsamen Taglöhnerhütte am Pfannenstiel das Findelkind Liese. Dieses Mädchen hütete Kinder, pflegte Kranke und war gerne bereit, alten und gebrechlichen Leuten zu helfen. Sie war zur damaligen Zeit sehr schön von Gestalt und hatte anfangs sehr viele Freunde. Diese änderte sich aber schlagartig, als sie einen Pestkranken bei sich aufnahm und ihn gesund pflegte. Glaubten doch zu der damaligen Zeit viele ehrbare Bürger der Stadt, daß dies nicht mit rechten Dingen zugehen könne und so wurde sie als Hexe verschrieen und aus der Stadt verbannt.

Jahre später beim Beerenpflücken hörte sie zufällig, wie die Raubritter von Ringgenburg und Schmalegg einen Überfall auf die Stadt Ravensburg planten. Dies erzählte sie dem Obersten der Ravensburger Stadtgarde. Da die Bürger zur damaligen Zeit sehr ängstlich waren, kam dieses Gerücht auch vor den Rat der Stadt. Der Rat glaubte der Liesel nicht und ließ sie im Frauentor einsperren. Es durfte nicht ungestraft bleiben, wenn ein solch zwielichtes Wesen die Bürger der Stadt derart beunruhigte. Als dann tatsächlich der Angriff auf die Stadt erfolgte, wurde er erfolgreich von der Stadtgarde abgewehrt. Die im Frauentor eingesperrte Liese wurde auf Ehrenwort von dem Wärter Johann Zwick zur Pflege der Verwundeten aus ihrem Verlies entlassen.

Heinrich Maienberger, Bürgermeister von Ravensburg, hatte ein offenes Ohr für die guten Taten dieser Frau und in einer Feierstunde wurde sie zur Oberstkönigin gekürt, mit den Worten: "Bewahr uns Gott und unsere liebe Frau von Hunger, Pest, Krieg zu jeder Zeit. Durch die Fürsprache des Gardeoberst wurde die Liese dann rehabilitiert.

Die Hexenliese wird in der Fasnet so dargestellt, wie sie die braven Bürger damals wohl gerne gesehen hätten. Die Maske der Hexenliesel wurde von Reinhold Schäle aus Holz geschnitzt.

Das Häs besteht aus einer baumwollbesetzten, knielangen Unterhose, einem grün angesetztem Unterrock, einem violetten Rupfenrock, dessen Saum ausgefranst ist. Am Rupfenrock ist die schwarze Samtjacke angenäht, die Ärmel sind in Schinkenform geschnitten. Auf der orangenfarbenen Leinenschürze befindet sich in der rechten unteren Ecke eine Kreuzspinne mit Netz. Die Strümpfe sind in den Häsgrundfarben geringelt, dazu werden schwarze, lederbesohlte Filzhausschuhe getragen. In der Hand hält die Hexenliesel einen Birkenreisbesen mit ungeschältem Stiel und sie trägt schwarze Handschuhe. Selbstverständlich darf die Maskenplakette und der Sprungbendel nicht fehlen, da dies Grundvoraussetzung zur Teilnahme an den Narrensprüngen ist.

Die Hexenliese vom Pfannenstiel ist zu allen Späßen bereit. Sie macht turnerische Übungen wie z.B. Überschläge, läuft teilweise auf Händen, macht Pyramiden, springt mit und über die Besen und spielt und neckt die Zuschauer.